Traditionelle Dirndl

Nachdem sich die Wiesn, das Münchner Oktoberfest, bereits im Sommer in Hochglanzmagazinen und in den bunten Blättern immer weiter in den Vordergrund drängt, weiß es im Herbst dann auch endlich ganz Deutschland: es ist wieder Dirndlzeit! Seit Jahren gibt es die kürzesten, wildesten, buntesten und ausgeflipptesten Kreationen, die einen echten Bayern das Grausen lehren. Da glitzert und quillt es, eine Reizüberflutung für Auge und Magen. Was bitte, haben Swarowskisteine an silikonverstärktem Mieder, bunte Federn oder grelle Farben mit dem Dirndl zu tun?

Wo bitte bleibt der gute Geschmack, fragen wir uns? Schon unsere Großmütter schworen auf das klassische hochwertige Maßdirndl vom Lanz aus Salzburg. Da glitzert nichts, da gibt es keine Federn, Perlen oder Miniröcke. Das traditionelle wunderschöne Dirndl wird knielang getragen, ist so körperbetont, wie gerade noch anständig und der Figur entsprechend, darum aber umso aufregender und ästhetischer.

Frische junge Kundinnen “tragens ein bisserl tiefer” ausgeschnitten, die älteren wissen um die Gnade der etwas breiteren Rüsche an der Dirndlbluse. Und die Investition lohnt sich, denn unzählige Enkeltöchter reißen sich dreißig Jahre später um die zeitlosen Originale. Der Kenner sieht sie überall.

“Mmh, jede Frau sieht mit einem Dirndl so richtig appetitlich aus!”, raunzte mir einmal ein alternder Frauenkenner in mein Dirndl-Dekolleté. Aber er hatte Recht: es gibt keine bessere Kleiderordnung als das Miederkleid, denn keine Jeans oder Leggings schummeln so viele Kilos einfach weg (oder richten den männlichen Blick so geschickt auf andere Körperregionen).

Und für uns Frauen ist ein Dirndl das bequemste Kleidungsstück, weil es fest zusammenschnürt trotzdem Beweglichkeit gibt, dabei immer schöner Dirndl Schmuck und proper aussieht. Weiblichkeit pur, da zwickt nichts, da quillt nichts, alles ist an seinem Platz auf perfekteste präsentiert.

Aber auch um das traditionellste schönste Dirndl nicht zu ruinieren, sollte Frau niemals High Heels dazu tragen, der flache Ballerina ist eine wunderbare Alternative zu dem ein bisschen rückständigen Spangenschuh aus dem Trachtenladen. Wenn es ein bisschen kühler ist, oder um die Offenherzigkeit noch etwas hinauszuzögern, empfiehlt sich sich der Pashmina-Schal um die Schulter oder der Janker. Den gibt es sommerlich leicht aus Schilfleinen oder etwas wärmer aus braunem oder dunkelgrauem Wollstoff. Aber bitte auch hier: klassisch mit Falte im Rücken und so wenig Applikationen wie möglich.

Der Original Tegernseer Janker ist wunderbar, weil überaus tragbar auch zur Jeans oder als Regenschutz. Das Dirndl passt sich übrigens allen Umgebungen bestens an, wer sagt denn, das Bierzelt auf der Wiesn sei sein einziger Laufsteg? Ich habe schon Hochzeiten oberhalb der Mainlinie erlebt, die den Polterabend durch das Trachtenmotto mit unvergesslichen Bildern in mein Gedächtnis brannten. Schon jemals Hip Hop im Dirndl getanzt?